Offen reden, ungefiltert weiterdenken Unternehmer-Talk Duisburg

Was moderierte Unternehmergespräche leisten können - ein halbes Jahr danach

Datum:
December 1, 2025
Kategorie:

Manche Gespräche brauchen mehr als Networking. Sie brauchen Zeit, Struktur und einen Raum, in dem Unternehmerinnen und Unternehmer offen aussprechen können, was im Alltag oft nur angedeutet wird.

Beim 1. BVMW Unternehmer-Talk in Duisburg wurde genau dafür ein neues Format geschaffen: eine dreistündige moderierte Mittagspause bei startport am Innenhafen. Der BVMW Ruhrgebiet beschreibt die Idee des Formats als mehr Raum für offene Gespräche, ehrlichen Erfahrungsaustausch und neue Impulse. Unter der Moderation von Silke Schneegans und Frank Schneegans entstand ein strukturierter und wertschätzender Austausch auf Augenhöhe.  

Warum Unternehmergespräche mehr brauchen als Austausch

Viele Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte kennen das: Die operativen Themen sind dringend, die strategischen Fragen wichtig, und die menschlichen Spannungen liegen irgendwo dazwischen. Es geht um Mitarbeitende, Verantwortung, Kommunikation, Vertrauen, Veränderung, Führung und die Frage, wie man im eigenen Unternehmen handlungsfähig bleibt.

Genau an dieser Stelle reicht ein lockeres Gespräch oft nicht aus. Gleichzeitig ist ein klassischer Workshop manchmal zu groß oder zu formal. Ein moderierter Unternehmer-Talk kann hier eine besondere Qualität entfalten: Er verbindet persönliche Erfahrung, unternehmerische Realität und gemeinsame Reflexion.

Die Themen beim Duisburger Auftakt zeigten diese Richtung deutlich. Im Mittelpunkt standen unter anderem Offenheit und Wertschätzung mit Mitarbeitenden und im Unternehmen. Diese Fragen wurden kontrovers diskutiert und eröffneten neue Perspektiven.  

Der Wert einer moderierten Mittagspause

Eine gute Moderation sorgt nicht dafür, dass alle einer Meinung sind. Sie sorgt dafür, dass Unterschiedlichkeit besprechbar wird.

Gerade im Mittelstand sind viele Fragen nicht eindeutig lösbar. Führungskräfte und Unternehmer:innen bewegen sich zwischen Kundennähe, Ergebnisdruck, Mitarbeitendenbindung, Fachkräftemangel, Digitalisierung, KI, Nachfolge, Wachstum und persönlicher Belastung. In solchen Situationen entsteht Erkenntnis oft nicht durch einen Vortrag, sondern durch den Abgleich unterschiedlicher Erfahrungen.

Ein moderierter Gesprächsraum hilft dabei,

  • Themen nicht vorschnell zu glätten,
  • unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen,
  • persönliche Erfahrungen in unternehmerische Erkenntnisse zu übersetzen,
  • ehrliche Fragen zuzulassen,
  • und aus Austausch wieder Orientierung entstehen zu lassen.

Das passt zu meiner Arbeit als Coach, Trainer, Berater und Facilitator: Nicht jede Antwort liegt schon fertig auf dem Tisch. Oft entsteht sie erst, wenn Menschen ihre Perspektiven aussprechen, einander zuhören und gemeinsam sortieren, was wirklich wichtig ist.

Offenheit und Wertschätzung sind keine weichen Themen

Auffällig ist, wie häufig in Unternehmensgesprächen scheinbar „weiche“ Themen auftauchen: Wertschätzung, Kommunikation, Vertrauen, Klarheit, Verantwortung, Beteiligung. In der Praxis sind das harte Erfolgsfaktoren.

Wenn Mitarbeitende nicht wissen, woran sie sind, entsteht Reibung.
Wenn Führungskräfte Erwartungen nicht klären, entstehen Umwege.
Wenn Konflikte nicht besprechbar sind, werden sie teuer.
Wenn Wertschätzung fehlt, sinkt Bindung.
Wenn alles operativ dringlich ist, fehlt der Blick auf das gemeinsame Ganze.

Deshalb sind Offenheit und Wertschätzung keine Nebenthemen. Sie entscheiden mit darüber, ob Organisationen lernfähig, belastbar und veränderungsfähig bleiben. Wir sehen ein Jahr danach anhand der Gespräche mit den Beteiligten, dass sie die Inspirationen durch die Runde sehr schätzen. Die meisten erlebten das Fromat mit Neugierde.

Was solche Formate ermöglichen

Der BVMW beschreibt als Ziel des neuen Unternehmer-Talks, echte Verbindungen zu schaffen, Denkprozesse anzustoßen und nachhaltige Ideen für unternehmerische Herausforderungen zu generieren. Genau darin liegt die Stärke solcher Formate.

Es geht nicht darum, fertige Patentrezepte zu liefern. Es geht darum, Unternehmerinnen und Unternehmer in einen Dialog zu bringen, der relevant genug ist, um im Alltag weiterzuwirken.

Ein guter Unternehmer-Talk kann drei Dinge leisten:

Erstens: Entlastung.
Viele erleben: Ich bin mit meinen Fragen nicht allein.

Zweitens: Perspektivwechsel.
Andere Branchen, andere Unternehmen und andere Führungserfahrungen öffnen den Blick.

Drittens: Handlungsimpulse.
Aus einem guten Gespräch entsteht häufig ein nächster konkreter Schritt: ein anderes Gespräch mit Mitarbeitenden, eine klarere Entscheidung, ein neues Führungsritual oder eine veränderte Haltung.

Duisburg als passender Ort

Dass dieses Format in Duisburg stattfand, passt gut. Duisburg und das Ruhrgebiet stehen für Wandel, Industriegeschichte, Dienstleistung, Logistik, Mittelstand, Wissenschaft, Technologie und Transformation. Hier wird nicht abstrakt über Veränderung gesprochen – hier ist Veränderung Teil der regionalen DNA.

Gerade deshalb brauchen Unternehmerinnen und Unternehmer Räume, in denen sie nicht nur Kontakte knüpfen, sondern gemeinsam weiterdenken können: offen, direkt, wertschätzend und mit Blick auf das, was in der Praxis wirklich trägt.

Mein Fazit

Der 1. BVMW Unternehmer-Talk in Duisburg zeigte, wie wertvoll moderierte Räume für unternehmerischen Austausch sein können. Wenn Menschen offen reden, ungefiltert weiterdenken und zugleich strukturiert begleitet werden, entsteht mehr als Networking. Es entsteht Orientierung.

Für mich ist genau das ein zentraler Teil guter Moderation: Menschen so miteinander ins Gespräch bringen, dass Unterschiedlichkeit nicht stört, sondern Erkenntnis ermöglicht.

Hier der BVMW-Post zur Veranstaltung